Opa beim Faschingszug – Helau im Überfluss

von admin | Feb. 17, 2026 | Allgemein

Es ist laut.
Nicht „ach wie schön, Musik“-laut.
Sondern „man spürt den Bass im künstlichen Hüftgelenk“-laut.

Opa steht am Straßenrand und fragt sich:
War das schon immer so?
Oder kompensiert man heute in Dezibel, was an echter Lebensfreude fehlt?

Alle singen. Alle lachen. Zumindest sieht es so aus. Zwischen zwei Selfies.

Opa macht mit. Natürlich. Er ist ja kein Spaßverderber. Er war schon närrisch, da wusste der DJ noch nicht, was Autotune ist.

Und dann beginnt der Regen.

Kein Regen aus Konfetti –
ein Hagel aus Zucker.

Bonbons fliegen aus den Wagen wie Wahlversprechen vor der Bundestagswahl: großzügig verteilt, billig produziert, keiner fühlt sich zuständig.

Nur hebt sie keiner auf.

Sie liegen da.
Bunt. Glänzend. Ignoriert.

Die Kinder stehen daneben. Kapuzenpulli für 120 Euro, Sneaker für 200. In der einen Hand das Smartphone, in der anderen – nichts. Bücken? Offenbar unter ihrer Würde.

Früher hat man sich um ein Bonbon geprügelt. Heute prüft man vermutlich erst, ob es bio, vegan und influencer-zertifiziert ist.

Opa fragt sich:
Sind wir wirklich so satt geworden?
Oder nur bequem?

Man wirft. Man lacht. Man geht weiter.
Zurück bleibt Müll.

Und dann das nächste Bild: Polizei.
An jeder Zufahrt.
Streifenwagen. Absperrungen. Fahrzeuge als Barrieren.

Hier. Auf dem Land.

Früher war die größte Gefahr beim Fasching ein Kater am nächsten Morgen.
Heute braucht selbst der Karneval ein Sicherheitskonzept wie ein Staatsbesuch.

Opa weiß: Die Welt ist rauer geworden. Man kann nicht naiv sein.
Aber er fragt sich trotzdem:
Wann ist aus Leichtsinn Vorsicht geworden?
Und wann aus Vorsicht Angst?

Auf dem Heimweg noch ein kleiner Plausch mit der Polizei. Junge Gesichter, müde Augen. Auch sie stehen hier, weil die Zeiten eben so sind. Nicht, weil sie Lust auf Kamelle haben.

Fasching vorbei.

Die Straße klebt.
Der Zucker wird vom Regen in den Gully gespült.
Konfetti im Rinnstein – wie kleine bunte Beweise unserer Wegwerflaune.

Und Opa denkt:

Wir feiern im Überfluss.
Wir sichern uns gegen alles ab.
Wir werfen Dinge weg, die wir nicht einmal aufheben wollen.
Und nennen das Tradition.

Fasching ist zu Ende.
Und nun?

Vielleicht weniger werfen.
Mehr aufheben.
Mehr Verantwortung.
Weniger Lärm – innen wie außen.

Aber das sagt Opa nur leise.
Man hört ihn ja sowieso kaum noch.

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