oder: Wenn drei plötzlich fünf sind und Hautfarben Urlaub haben
Opa sitzt da, nippt an seinem Kaffee und schaut auf den Kalender.
Heilige Drei Könige, steht da.
„Gut“, sagt Opa, „drei kenn ich.“
Was Opa nicht kennt:
– dass drei heute auch fünf sein können
– dass einer davon manchmal eine Frau ist
– und dass keiner mehr schwarz sein darf, aber als Beduine verkleidet sein völlig in Ordnung ist
Das irritiert den Opa.
Früher – und Opa weiß, das darf man kaum noch sagen – waren es drei Könige. Punkt. Einer weiß, einer mittel, einer dunkel. Nicht aus politischem Kalkül, sondern weil man damit zeigen wollte: Die ganze Welt kommt zur Krippe.
Afrika inklusive.
Heute sagt man zu Opa:
„Nein, Opa, das geht nicht mehr. Schwarz anmalen ist problematisch.“
Opa nickt langsam.
Er nickt viel in letzter Zeit.
Aber dann fragt er vorsichtig:
„Und warum darf dann der eine als Beduine gehen?“
Stille.
„Das ist kulturell unproblematisch“, sagt jemand sehr überzeugt.
Opa schaut auf den Beduinen.
Dann auf den König ohne Krone.
Dann auf die zwei zusätzlichen Könige, die offenbar spontan dazugebucht wurden, weil Diversität im Angebot war.
„Also“, sagt Opa, „schwarz ist tabu, Wüste ist okay, und drei ist eine Empfehlung.“
Er kratzt sich am Kopf. Da war früher mehr Ordnung drin.
Besonders schön findet Opa ja, dass man ihm erklärt, es gehe um Sensibilität.
Aber sensibel ist hier vor allem Opas Gehirn, das versucht mitzuhalten, warum man heute lieber Farben vermeidet, aber Kostüme stapelt.
Und dann sind es plötzlich fünf Könige.
„Hab ich was verpasst?“, fragt Opa.
„Inflation? Gruppentarif? Oder sind zwei nur mitgelaufen, weil sie den Weg kannten?“
Antwort bekommt er keine.
Aber er bekommt ein gutes Gefühl dafür, dass Tradition heute nur noch gilt, wenn sie niemanden irritiert – außer dem Opa.
Am Ende sagt Opa nichts mehr.
Er lächelt. Das macht er oft, wenn er etwas nicht mehr ganz versteht.
Und denkt sich leise:
Wenn schon keiner mehr schwarz sein darf,
dann sollte wenigstens wieder jemand zählen können.
Drei.
Nicht fünf.
Und schon gar nicht „kommt drauf an“.
Opa trinkt seinen Kaffee aus.
Die Könige ziehen weiter.
Und die Welt dreht sich.
Ein bisschen schneller, als Opa lieb ist.


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