Opa war wieder einmal auf Facebook unterwegs. Man soll ja wissen, was die Welt bewegt. Und die Welt war empört.
Auslöser: ein Beitrag vom Zoo Wuppertal. Dort wurde erklärt, warum in der Löwenanlage ein ganzer Tierkörper zu sehen war. Kein Filet. Kein hübsch portioniertes „Naturprodukt“. Sondern ein Tier. Am Stück. Mit allem, was dazugehört.
Und plötzlich war sie da – die digitale Trauergemeinde.
„Wie kann man nur!“
„Die arme Kuh!“
„Das darf man Kindern doch nicht zeigen!“
„Das ist grausam!“
Opa rieb sich die Augen. Nicht wegen der Löwen. Wegen der Kommentare.
Denn während im Zoo eine Kuh sichtbar gefressen wird, liegt im Supermarkt drei Straßen weiter das exakt gleiche Tier – nur in Scheiben, vakuumiert und mit Rabattsticker. Und da regt sich erstaunlich selten jemand auf. Da heißt es dann: „Familienpackung, bitte.“
Im Internet aber, da sind wir empfindsam.
Wir wollen Fleisch – aber ohne Tier.
Natur – aber ohne Natur.
Löwen – aber bitte vegan und pädagogisch wertvoll.
Opa hat dann tatsächlich etwas geschrieben. Er meinte, Natur sei nicht steril. Sie sei nicht leise. Und sie sei schon gar nicht dekorativ. Wer einmal eine Safari zur Geburtenzeit von Gnus erlebt hat, weiß: Dort wird nichts „sanft eingeschläfert“. Dort wird gefressen. Punkt.
Ein Löwe stellt keinen Ethikantrag.
Ein Krokodil führt keine Sensibilitätsdebatte.
Das Leben läuft dort ohne Kommentarspalte.
Aber wir, die wir unser Schnitzel im Sonderangebot kaufen, sind empört, wenn die Realität kurz durch den Zoozaun lugt. Wir möchten bitte nur das romantische Afrika-Sonnenuntergangsbild. Mit Hintergrundmusik. Ohne Blut. Ohne Tod. Ohne Wahrheit.
Vielleicht ist genau das das Problem:
Wir haben uns so gründlich von der Natur entfremdet, dass uns ihr Anblick schockiert – während wir ihre Produkte täglich konsumieren.
Opa findet: Man muss es nicht schön finden. Man darf es sogar beklemmend finden. Aber man sollte ehrlich bleiben. Fleisch bedeutet Tod. Immer. Ob im Zoo sichtbar oder im Schlachthof unsichtbar.
Und vielleicht wäre es gar nicht schlecht, wenn ab und zu ein Löwe daran erinnert, was ein Burger wirklich ist.
Natur ist nicht angenehm.
Sie ist echt.
Und Echtheit scheint heute das Verstörendste von allem zu sein.
Bis zum nächsten Mal
Euer Opa


Ich finde es super das du das Thema so anpackst, ja, du hast vollkommen Recht, jeder von uns hat seine eigene Moralvorstellung, Werteeinstellung und Wahrnehmung, ja wir schaffen uns unsere eigene Doppelmoral, jeder so wie es für ihn gut ist, oder er/sich anlügt. Ich bin Sternzeichen Löwe, heißt aber nicht das ich ein Reh oder ein Kuh verspeise wenn ich hungrig bin, aber ja, ich bin immer noch Fleischesser, weil meine eigene Doppelmoral zu mir sagt, das ist gut so. Altes Sprichwort, kennt jeder „was ich nicht weis, macht mich nicht heiß“
Wir Menschen leben schon lange nicht mehr in und mit der Natur und natürlichen Evolution, wir habe Sex ohne Kinder zeugen zu wollen und treffen uns mit Menschen die gut riechen, nein nach irgendwas riechen nur nicht nach sich selbst. Wir konsumieren Sachen die wir nicht brauchen, nur weil wir was haben wollen. Nichts ist mehr so wie es scheint, wir essen verpackte Sachen und wissen gar nicht mehr wie wir uns Nahrung beschaffen können, weder Feuer machen, noch Fell nähen oder sich gegen Eindringligen in unserer Höhle verteidigen, wir gehen Beschäftigungen nach die wir eigentlich gar nicht tun wollen nur um Geld zu verdienen und es für Sachen ausgeben die wir nicht brauchen, noch schlimmer ich mache Kunst, nicht an den Wänden in einer Höhle, auch nicht um meine Nachkommen damit zu vermitteln, wann Tiere vorbei kommen zum jagen, oder wann eine gute Zeit ist was zu finden, nein ich mache Kunst, weil mich weil ich es tun muss, weil es mich begeistert, egal ob es Sinn macht oder nicht, also wie der Kauf einer Fertigsuppe in der Dose. All das ist jedermann/frau Doppelmoral, jeder schafft für sich selbst eine Welt mit gemäßigtem schlechten Gewissen, in diesem Sinne, habt euch lieb.