Heute war Opa am Chiemsee. Ein traumhafter Tag, herrliche Aussicht, gutes Wetter. Da dachte er sich: „Jetzt ein alkoholfreies Radler, das wäre perfekt.“
Die Antwort im gehobenen Seelokal war allerdings ein echter Höhepunkt deutscher Gastronomiekunst:
„Ein alkoholfreies Radler gibt es für eine Person nicht.“
Der Grund? Nun, vermutlich könnte nach dem Einschenken tatsächlich eine halbe Flasche alkoholfreies Bier übrig bleiben.
Und das wäre natürlich eine wirtschaftliche Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.
Man stelle sich das Drama vor: Eine halbe Flasche im Kühlschrank. Der Wirt kurz vor der Insolvenz. Die Banken nervös. Der DAX stürzt ab. Wirtschaftsweise treten zu Krisensitzungen zusammen. Vielleicht müsste sogar der Staat einen Rettungsschirm für liegengebliebenes alkoholfreies Bier aufspannen.
Opa wollte eigentlich anschließend noch essen. Aber wenn schon ein alkoholfreies Radler die Existenz des Hauses gefährdet, wollte er das Restaurant natürlich nicht auch noch mit einem Schnitzel in den finanziellen Ruin treiben.
Also zog er sich diskret zurück.
Vielleicht war es besser so.
Nicht auszudenken, wenn später noch jemand einen kleinen Salat bestellt hätte. Oder – Gott bewahre – nur eine Tasse Kaffee.
Manchmal fragt man sich wirklich, warum manche Gastronomen über ausbleibende Gäste klagen. Vielleicht liegt es gar nicht an den Preisen. Vielleicht liegt es daran, dass man einem Gast lieber erklärt, warum etwas nicht geht, anstatt es einfach möglich zu machen.
Aber Opa ist beruhigt: Das Restaurant hat Es begann wie ein ganz normaler Ausflug. Opa wollte am Chiemsee die Aussicht genießen, ein bisschen entspannen und sich – man höre und staune – ein alkoholfreies Radler gönnen. Keine Champagnerflasche. Kein Kaviar. Einfach ein Radler.
Doch im feinen Seelokal gelten offenbar eigene Naturgesetze.
Die Bedienung erklärte mit ernster Miene:
„Ein alkoholfreies Radler gibt es nicht für eine Person.“
Bitte was?
Offenbar hat das Radler dort einen Mindestbesetzungsplan. Wahrscheinlich muss vorher ein Ausschuss tagen, der prüft, ob genügend Menschen am Tisch sitzen, damit sich das Mischen von Limo und alkoholfreiem Bier wirtschaftlich lohnt.
Allein? Pech gehabt!
Vielleicht hätte Opa einfach einen imaginären Freund bestellen sollen. Oder den Stuhl gegenüber mit seiner Jacke besetzen. Möglicherweise hätte auch ein Pappaufsteller gereicht.
Nach dieser gastronomischen Meisterleistung war der Appetit natürlich schlagartig verschwunden. Wer es nicht schafft, Limo und alkoholfreies Bier in ein Glas zu kippen, dem traut man auch beim Schnitzel nicht mehr über den Weg.
Also blieb das Essen dort, wo es hingehörte: in der Küche.
Am Ende verließ Opa das Nobelrestaurant mit leerem Magen, trockenem Hals und einer wichtigen Erkenntnis: Am Chiemsee scheint ein alkoholfreies Radler inzwischen exklusiver zu sein als ein Platz auf einer Luxusjacht.
Herzlichen Glückwunsch! Man hat erfolgreich einen zahlungswilligen Gast vergrault – wegen eines Getränks, das anderswo jeder Azubi in zehn Sekunden zusammenmischt. Service kann so einfach sein. Man muss ihn nur wollen.dank seiner Opferbereitschaft den wirtschaftlichen Zusammenbruch wegen einer halben Flasche alkoholfreien Bieres gerade noch einmal abgewendet.
Merke: Manche Lokale leben von ihrer Lage. Andere vom guten Service. Und dann gibt es noch die, die glauben, ein alkoholfreies Radler sei ein streng rationiertes Luxusgut. Viel Erfolg damit.


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